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50 Jahre „Hermannstädter Zeitung“ in Rumänien

Doppeltes Jubiläum: 50 Jahre HZ und 240 Jahre deutschsprachige Presse in Siebenbürgen

Am 25. Februar 2018 wurde die in der siebenbürgischen Stadt Sibiu/Hermannstadt wöchentlich erscheinende deutschsprachige „Hermannstädter Zeitung (HZ)“ 50 Jahre alt. Den runden Geburtstag feierte man mit einem großen Festakt in der Zentrale des Verbandes der deutschen Minderheit Rumäniens. Björn Akstinat, Leiter des Netzwerks der deutschsprachigen Medien im Ausland (IMH-Internationale Medienhilfe), erklärt zum Jubiläum: „Die HZ ist einzigartig. Es gibt keine zweite Wochenzeitung für eine deutsche Sprachinsel im Ausland mit einem ähnlichen lokalen Charakter, solch einer Tradition, einer derartigen Qualität und einer vergleichbaren Leserschaft.“

In Rumänien sprechen viele Millionen Menschen Deutsch. Darunter sind auch die rund 50.000 verbliebenen Rumäniendeutschen, deren Vorfahren teilweise schon im 12. Jahrhundert nach Südosteuropa kamen. Die Zahl dieser Deutschstämmigen (Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben u.a.) lag einst bei etwa 800.000, aber durch Aussiedlung und Flucht ist sie stark geschrumpft. Trotz ihrer relativ geringen Größe ist die deutsche Minderheit immer noch sehr lebendig und angesehen. Die Rumäniendeutschen haben mehrere der bedeutendsten Städte im Land gegründet, eine einzigartige Literaturszene mit Nobelpreisträgern wie Herta Müller hervorgebracht, ein bis heute funktionierendes Bildungswesen mit deutschsprachigen Schulen und Hochschulen geschaffen, nach der Wende eine eigene politische Partei organisiert, mit eigenen Leuten Parlaments- und Bürgermeisterposten besetzt sowie eine beachtliche Medienszene mit deutschen Radioprogrammen, Fernsehsendungen und Zeitungen aufgebaut. Unter den rumäniendeutschen Publikationen sind die täglich in Bukarest erscheinende „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) und die wöchentliche „Hermannstädter Zeitung“ (HZ) die größten.

Das Wochenblatt aus Hermannstadt/Sibiu wurde 1968 für die Siebenbürger Sachsen gegründet. Es führt die jahrhundertealte siebenbürgische Pressetradition fort, die bereits 1778 mit einer ersten Zeitung ihren Anfang nahm. Von Oktober 1971 bis Dezember 1989 musste es unter dem Titel „Die Woche“ erscheinen, weil der kommunistische Diktator Nicolae Ceaușescu die Verwendung deutschsprachiger Ortsnamen wie „Hermannstadt“ verboten hatte. In den ersten Jahren nach der Wende konnte die HZ durch viele Entbehrungen der eigenen Mitarbeiter und durch Hilfen von rumänischen Journalisten am Leben gehalten werden. Seit 1996 wird die Zeitung mit Zuwendungen des rumänischen Staates und Mitteln einer eigenen Stiftung finanziert. Die Stiftung initiierten Angestellte der HZ. Der damalige Chefredakteur schenkte dafür sogar sein Privatauto als Startkapital. Heute arbeiten mehrere Redakteure fest angestellt für die „Hermannstädter Zeitung“. Redaktionsleiterin ist Beatrice Ungar. Der Inhalt des Wochenblatts ist vielfältig und reicht von lokalen wie auch überregionalen Kultur-, Wirtschafts- und Sportnachrichten über eine Kinderrubrik bis hin zu einem reichhaltigen Veranstaltungskalender. Derzeit hat die HZ mehrere tausend Leser. Ein Teil der leicht steigenden Auflage geht ins Ausland. Weitere Infos zur Zeitung und zu den Bestellmöglichkeiten gibt es auf www.hermannstaedter.ro