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Goethe-Institut porträtiert IMH

Die in den 1990er-Jahren gegründete internationale Medienhilfe ist das Netzwerk und die Interessensvertretung für deutschsprachige Medien im Ausland und fremdsprachige Medien in Deutschland.

Es war einerseits die Begeisterung für Medienarbeit und andererseits das Interesse an fremden Kulturen, die den Studenten Björn Akstinat in den 1990er-Jahren zu den deutschsprachigen Medien im Ausland führten. Als Praktikant in den Redaktionen und Anzeigenabteilungen der Prager Zeitung, der Israel-Nachrichten und des deutschen Dienstes der BBC arbeitete er mit Medienmachern zusammen, die sich untereinander überhaupt nicht kannten, aber offenbar doch in einer sehr ähnlichen Situation steckten: „Die meisten von ihnen sind als Deutsche vor Ort geboren und kennen sich in beiden Ländern und Kulturen sehr gut aus. Als Mittler zwischen dem deutschsprachigen und dem anderssprachigen Ausland erreichen sie mit ihren Medien insgesamt zwar Millionen von Menschen. Dennoch bekommen sie etwa von Seiten der Bundesregierung wenig Unterstützung und einige von ihnen kämpfen sogar ums Überleben“, erklärt Akstinat. Er beschloss nach seinen Praktika, sich ehrenamtlich für eine Vernetzung der deutschsprachigen Medien im Ausland einzusetzen und gründete die Internationale Medienhilfe (IMH) als – wie er sagt – erste Medienhilfsorganisation weltweit. Er leitet sie bis heute.

Internationales Netzwerk engagierter Ehrenamtler

Die IMH unterstützt ihre Mitgliedsmedien in allen Bereichen von der Anzeigenakquise über das Zuliefern von Beiträgen bis hin zur Mitarbeitervermittlung. In Deutschland sind laut Akstinat an den Standorten Köln und Berlin inzwischen rund zwanzig ehrenamtliche Mitarbeiter für die IMH tätig: „Die meisten von ihnen sind Studenten, die die sympathischen Medienmacher aus dem Ausland unterstützen möchten. Die Arbeit ist sehr vielseitig und macht großen Spaß, weil man so Kontakte zu interessanten Menschen aus aller Welt pflegen kann“. Außerdem gebe es im Ausland mehrere hundert ehrenamtliche Mitarbeiter, von denen viele bei den unterschiedlichen Mitgliedsmedien tätig seien. Dazu gehören unter anderem auch Beatrice Ungar von der Hermannstädter Zeitung, die sich vor allem an Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien richtet, und Juri Klugmann von der internationalen Deutschen Rundschau in Kanada, die, wie er sagt, eine „Tribüne des Gedankenaustauschs“ für Deutschsprachige und vor allem junge Deutschstämmige aus aller Welt sein möchte. Allein in Nordamerika gibt es laut Klugmann rund 50 Millionen deutschstämmige Menschen.

Sprachrohr gegenüber den deutschen Behörden

Beide Zeitungsmacher sind dankbar, dass sie durch die Unterstützung der Internationalen Medienhilfe Kontakte zu anderen deutschsprachigen Medien im Ausland aufbauen konnten: „Wenn man andere ausländische deutschsprachige Medien kennenlernen und sich mit den Machern austauschen kann, entwickelt sich trotz manch unterschiedlicher Interessen ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Leider können Zusammenkünfte aus Kostengründen nur etwa alle sieben Jahre stattfinden, aber wir sind per E-Mail und auch telefonisch im Kontakt“, sagt Klugmann. Weil es bei der Bundesregierung oder angegliederten Einrichtungen keine Anlaufstelle für deutschsprachige Medien im Ausland gebe, sei die Internationale Medienhilfe zudem eine wichtige Interessensvertretung und ein Sprachrohr gegenüber den deutschen Behörden.

Die IMH mache Leser und potentielle Anzeigenkunden auch überhaupt auf die Existenz der Mitgliedsmedien aufmerksam: So sind etwa im kürzlich erschienenen Handbuch der deutschsprachigen Presse im Ausland rund 2.000 Zeitungen, Zeitschriften, Mitteilungsblätter, Gemeindebriefe und Jahrbücher verzeichnet, die in über achtzig Ländern außerhalb von Deutschland, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein und der Schweiz erscheinen. Außerdem gibt die IMH seit vergangenem Jahr auch ein Verzeichnis der fremdsprachigen Publikationen in Deutschland heraus, die aufgrund ihres ähnlichen Profils inzwischen ebenso in den Fokus der Arbeit gerückt sind. Durch den Verkauf solcher Publikationen oder die Einnahmen aus Veranstaltungen finanziert die IMH unter anderem ihre Projekte.

Praktikantenprogramm: Gewinn für beide Seiten

Schließlich vermittelt die IMH laut Akstinat alljährlich einige hundert deutsche Praktikanten an ihre Mitgliedsmedien: Anne Sophie Pfisterer beispielsweise studierte Medienwissenschaft und stieß auf der Suche nach einem Praktikumsplatz auf die IMH. Innerhalb kürzester Zeit vermittelte man ihr den Kontakt zum deutschsprachigen Kultur- und Wirtschaftsmagazin Discover ME in Dubai, wo sie ihr dreimonatiges Praktikum absolvierte: „In der sehr kleinen Redaktion von Discover ME wurde ich noch stärker in die Arbeit eingebunden als beispielsweise bei den großen Redaktionen von Inlandsmedien wie der Süddeutschen Zeitung oder dem Focus, wo ich auch Praktika gemacht habe. Meine Ideen stießen auf großes Interesse und ich konnte viel recherchieren, Interviews führen sowie Artikel für die Homepage und fürs Blatt schreiben. Außerdem habe ich an vielen Veranstaltungen teilgenommen, in denen es meist um die Förderung der Deutschen in Dubai ging. Durch den internationalen Freundeskreis von Discover ME habe ich nicht nur Deutsche, sondern beispielsweise auch Holländer, Südafrikaner und Emirati kennengelernt.“

Auch Beatrice Ungar von der Hermannstädter Zeitung hat gute Erfahrungen mit den Praktikanten gemacht, die ihr von der IMH vermittelt wurden: „Es ist schwierig, Praktikanten aus der deutschen Minderheit in Rumänien zu bekommen, weil die Anzahl insgesamt recht klein ist und die meisten eher in der Wirtschaft arbeiten wollen. Die jungen Leute aus Deutschland bringen oft auch eine neue Sicht auf die hiesigen Verhältnisse mit. Wenn es in einem Bericht beispielsweise um eine Veranstaltung zur Wintervertreibung geht, hängen sie häufig nicht so stark an der historischen Perspektive fest wie die Älteren, sondern überlegen auch: Was bedeutet das für heute? Welche Relevanz hat es vielleicht auch für die Jugend? Das ist eine gute Sache.“

Dieser Text ist auf der Internetseite des Goethe-Instituts unter dem Titel „Internationale Medienhilfe – Hilfe für Medien mit Migrationshintergrund“ erschienen: https://www.goethe.de/de/kul/med/20420161.html