Deutsche entdeckten Amerika vor Kolumbus
20. April 2020
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Die deutschsprachige Exklave im Vatikan

Vatikanstadt (IMH) – Innerhalb der Mauern des Vatikans wird erstaunlich viel Deutsch gesprochen – und zwar nicht nur unter den deutschsprachigen Mitarbeitern der päpstlichen Verwaltung, in den deutschen Redaktionen von Radio Vatikan und „L’Osservatore Romano“ oder bei der Schweizergarde. Es gibt sogar ein exterritoriales Grundstück namens „Campo Santo Teutonico“ direkt neben dem Petersdom, das als italienisch- und lateinfreie Zone gilt. Das kleine Stückchen Land umfasst hauptsächlich einen idyllischen deutschen Friedhof und einen Gebäudekomplex mit einer Kirche, einem Priesterkolleg und einer Bibliothek. Eigentümer der Exklave ist nicht der Vatikan, sondern die Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes. Die Bruderschaft hat Mitglieder aus mehreren deutschsprachigen Ländern sowie aus Flandern und den Niederlanden. Schirmherr der Vereinigung ist der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. In der Kirche werden täglich deutschsprachige Gottesdienste gefeiert. Das Kolleg dient der Ausbildung von theologischem Nachwuchs aus Deutschland.

Hervorgegangen sind die vom Vatikan umgebenen deutschsprachigen Örtlichkeiten aus einer von Karl dem Großen am Ende des 8. Jahrhunderts gegründeten Institution, die nach Rom gepilgerte oder dort dauerhaft lebende Menschen aus dem Norden seines Frankenreiches betreuen sollte. Einige verstarben natürlich auch in Rom, sodass schnell ein Friedhof nötig wurde. Er ist allerdings kein Relikt aus vergangenen Zeiten. Noch heute werden auf ihm Deutschsprachige begraben. Für andere Sprachgruppen oder Nationaltäten gibt es keinerlei vergleichbare Begräbnisstätten innerhalb der vatikanischen Mauern. Vor seiner Zeit als Papst schätzte der deutsche Kardinal Ratzinger den idyllischen und ruhigen Gottesacker als Rückzugs- und Erholungsort. In der dazugehörigen Kirche hielt er oft selbst Gottesdienste. Wer über das Territorium der Vatikanstadt zum „Campo Santo Teutonico“ gelangen will, muss bei einem Schweizer Gardisten an einem der Tore des päpstlichen Staates in deutscher Sprache den Zugang zur Exklave begehren.

Quelle: IMH-Nachrichtenagentur/Björn Akstinat